Mein Weg ist mein Weg

Mein Weg ist mein Weg

Jetzt stehe ich hier, ein alter Schuh und erzähle dir von meinem Weg.

Du bist ein schöner, neuer, glänzender und noch ganz sauberer Schuh und ich wünsche dir viel Freude, Glück, neue Erkenntnisse und gute Freunde an deiner Seite auf deinem Weg.

Mein Weg war ziemlich holprig und auch anstrengend bis hierher und ich bereue keinen einzigen Schritt, den ich getan habe.

Oft habe ich nicht sehen können wo es lang geht, ja sogar wo genau ich gerade bin und wo es weiter geht, geschweige denn wie.

Es war sehr dunkel teilweise und ich habe mich auf unwegsamen Strecken verletzt, habe Löcher bekommen und die Sohle hat sich gelöst. Dennoch hatte ich auch schöne Zeiten, auf weichen Wiesen im Sonnenschein mit anderen Schuhen die mir wohlgesonnen waren und mich zum lachen brachten.

Am Anfang, als auch ich noch ein ganz neuer, wunderbar glänzender und sauberer Schuh war, völlig intakt, begann ich diesen Weg. Ich kam zu anderen Schuhen von denen bei manchen damals schon kaum mehr ersichtlich war, dass sie einst auch mal schöne neue Schuhe gewesen sein mussten.

Ich war verwirrt wegen des Aussehens dieser Schuhe und auch, weil mir keiner dieser Schuhe zeigen konnte in welche Richtung ich gehen sollte, welches die beste und schonendste Art ist sich fortzubewegen und welche Geschwindigkeit ich wählen sollte.

Wieso also sind sie so zerschlissen, dachte ich mir, wenn sie sich doch eigentlich gar nicht wirklich vorwärtsbewegen.

Irgendwann war mir klar, dass man sich wohl auch durch im Kreis laufen so abnutzen kann und das wollte ich nicht.

So ging ich also los, doch nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass ich doch auch nur im Keis lief, selbst wenn ich einen anderen Weg als die alten Schuhe nahm und mir manchmal alle nur entgegen zu kommen schienen einmal rechts herum, einmal links herum, lief ich doch im Kreis.

Am Anfang fragte ich noch manchmal wo ich lang soll um diesen Kreis zu verlassen, doch keiner schien überhaupt zu wissen, was ich eigentlich meinte. Es schien keinen Weg heraus zu geben aus diesem Kreis. Überall lagen hoch aufgeschüttet Steine, Schotter und Geröll.

Und so dringend und tief in mir drin ahnte ich, dass es einen Weg geben muss, einen richtigen Weg, etwas ganz anderes als dieser Kreis hier.

So bin ich zu den harten Steinen, dem Schotter und dem Geröll gegangen und habe es mir angeschaut. Die anderen Schuhe schien es nicht zu interessieren, deshalb haben sie mich auch nicht abgehalten auch, wenn sich keiner zu mir gesellt hat.

Wenn ich ganz hinaufschaute, ganz hoch, über die Steine, den Schotter und das Geröll – da glaubte ich doch etwas scheinen zu sehen…

Also bin ich über die Steine und den ganzen Schmutz geklettert und bereits dabei schon ziemlich schmutzig geworden, dennoch hoffte ich es lohne sich.

Was soll ich sagen, es hat sich gelohnt.

Ich erblickte das erste Mal richtig die Sonne, da war eine Wiese mit Blumen und es fühlte sich so weich an. Es war so zart und auch sehr spannend etwas völlig Neues erleben zu dürfen.

Mein Herz öffnete sich und ich war eins mit allem.

Natürlich blieb das nicht immer so, es gab auch lange Strecken der Dunkelheit, dunkler als ich es jemals im Kreis erleben durfte. Ich durfte durch tiefe schmutzige Pfützen laufen, mit der Sorge dort jemals wieder heraus zu kommen. Habe oft die Orientierung verloren, jedoch entweder selber einen Weg gefunden oder jemanden getroffen, der mir den Weg zeigen konnte.

So bin ich noch immer auf dem Weg und bin stolz auf jeden einzelnen Fleck und jedes Loch, welches sich im Laufe der Jahre eingefunden und mich verändert haben.

Ich wünsche dir von Herzen deinen ureigenen, spannenden und liebevollen Weg.

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